Die Glocken von St. Leonhard

Nur eine Glocke hat die Kriegswirren und die Zerstörung der Kirche überstanden. Es ist die Glocke 2 "Heimdall"  (nordisch für  „der Hellerleuchtende”). Heimdall ist in der germanischen Göttersage der Schutzgott, der den Zugang zum Himmel bewacht und nur die Edlen hindurchlässt. Er ist der Gott des Sonnenaufgangs. In verschiedenen Thesen zum Sprichwort "Morgenstund hat Gold im Mund" wird dessen Entstehung auf diesen Gott Heimdall zurückgeführt. Dieser hatte goldene Zähne, und er war wiederum das erste, was Reisende auf dem Weg in die Götterwelt Asgard nach der Überquerung der Regenbogenbrücke Bifröst zu sehen bekamen.

Die Glockenweihe 1924 war höchst dramatisch. Mehr dazu mit diesem Link: Der Glockensturz von 1924

Als die Kirche St. Leonhard wieder errichtet war, wurden die Glocken unter großem Interesse auf die Türme gebracht. Der Glockenturm an der Westseite des Kirchenschiffes beherbergt fünf Glocken, der Dachreiter auf der Ostseite des Dachstuhles zwei Glocken. Eine genaue Beschreibung der Glockenweihe und der Glocken finden Sie im "Leonharder Glocken-Büchlein" von 1957. Dort ist die Geschichte der Leonharder Glocken sowie jene Andacht abgedruckt, die Pfarrer Fischer auf dem Bild unten hält.

Bildrechte: beim Autor

Glocke 1: Christusglocke (Glocke zum Gedenken der Terror- und Kriegsopfer)
Ein Schriftband in Großbuchstaben „JESVS CHRISTVS, KÖNIG VND HERR VERGESST NICHT DIE OPFER DER KRIEGE". In der Flankenmitte befinden sich Reliefs in Ritztechnik, jeweils fast die ganze Flanke einnehmend: „Christus auf dem Throne sitzend", auf der Flankengegenseite „Erzengel Michael besiegt den Drachen". Zwischen den Reliefs befindet sich eine Kartusche: „ZUM GEDÄCHTNIS UNSERES SOHNES FRITZ • GEFALLEN IN RUSSLAND AM 17.2.1943 GESTIFTET VON FRIEDRICH UND BABETTE AMMON • A • D • 1957". Im unteren Teil der Flanke sieht man das Schriftband in Großbuchstaben: „DIE HIMMEL RÜHMEN DES EWIGEN EHRE. EIN FESTE BVRG IST VNSER GOTT"
Gewicht: 1.627,5 Kg, Durchmesser: 140 cm, Jahr 1957, Ton d’

Glocke 2: Gottesdienstglocke
Unterhalb der Glockenschulter liegt ein Fries, in dem Lilie und Blatt abwechseln. Darunter findet sich eine am  Rundsteg hängende Kreuzblume, auf der Flankenmitte steht geschrieben: „HERR, MACH UNS FREI!" Auf der Flankengegenseite: „HEIMDALL. IM JAHRE DES HEILS 1924 / GOSS MICH K. HAMM, REGENSBURG."
Gewicht: 900 Kg, Durchmesser: 120 cm, Jahr 1924, Ton f’ 

Glocke 3: Gebetsglocke
Unterhalb der Glockenschulter steht in einem Schriftband: "DANKET DEM HERRN, DENN ER IST FREUNDLICH, UND SEINE GÜTE WÄHRET EWIGLICH". In der Flankenmitte findet sich ein Relief in Ritztechnik graviert: „Zwei Betende vor einem Kreuz" auf der Flankengegenseite die Kartusche: "GESTIFTET VON FRIEDRICH, HANS / U. ERICH AMMON IM JAHRE DES HEILS / 1957"
Gewicht: 665 Kg,  Durchmesser: 105 cm, Jahr 1957, Ton g’ 

Glocke 4:  Vaterunserglocke
Unterhalb der Glockenschulter vermerkt ein Schriftband: „VERGIB VNS VNSERE SCHVLD WIE WIR VERGEBEN VNSEREN SCHVLDIGERN". In der Flankenmitte zeigt ein Relief: „Den liebenden Vater mit dem verlorenen und wiedergefundenen Sohn". Auf der Flankengegenseite steht in der Kartusche wie auf Glocke 3 geschrieben: „GESTIFTET VON FRIEDRICH, HANS / U. ERICH AMMON IM JAHRE DES HEILS / 1957."
Gewicht: 464 kg,  Durchmesser: 94 cm, Jahr 1957, Ton a’ 

Glocke 5: Taufglocke
Unterhalb der Glockenschulter liegt das Schriftband: „ICH HABE EIN GROSSES VOLK IN DIESER STADT".  Auf der Flankenmitte findet sich ein Relief in Ritztechnik graviert: „Drei Männer im Feuerofen mit bewahrenden Engel". Auf der Flankengegenseite steht in der Kartusche: „GESTIFTET VON FRIEDRICH, HANS / U. ERICH AMMON IM JAHRE DES HEILS /1957".
Gewicht: 394,5 kg,  Durchmesser: 89 cm, Jahr 1957, Ton b’ 

Glocke 6: Beerdigungsglocke 1
Unterhalb der Glockenschulter steht im Schriftband in Großbuchstaben: „DIE KRANKHEIT IST NICHT ZUM TODE, SONDERN ZUR EHRE GOTTES". Auf der Flanke zeigt das Relief in Ritztechnik: „Die Auferweckung des Lazarus". Zwischen den beiden ist zu lesen: „GESTIFTET VON ANDREAS UND BERTA ZWINGEL IM JAHRE DES HEILS 1958".
Gewicht: 148 kg, Durchmesser: 65 cm, Jahr 1958, Ton es’’ 

Glocke 7: Beerdigungsglocke 2
Unterhalb der Glockenschulter zwischen Schriftband ist in Großbuchstaben zu lesen: „ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN" Auf der Flanke stellt ein Relief in Ritztechnik „Die Auferstehung Jesu" dar.
Gewicht: 80 kg,  Durchmesser: 54 cm, Jahr 1957, Ton f’’ 

Falls nichts anderes vermerkt, wurde die jeweilige Glocke von der Gießerei A. Bachert, Heilbronn am Neckar gefertigt.

Die Glockenmelodien

 

  • An den hohen Festtagen Weihnachten, Ostern, Pfingsten, sowie am weltlichen Feiertag Silvester läuten alle Glocken.
     
  • Das „Te Deum Laudamus“ „Herr, Gott, dich loben wir" besteht aus dem Hauptmotiv“ mit den Tönen d’-f’-g’ . Dieses Hauptmotiv wird zu den Predigtgottesdiensten und Kindergottesdiensten am Sonntag geläutet.
     
  • Das „Te Deum Laudamus“, das durch den Ton  b’ zum Idealmotiv d’-f’-g’-b’ ergänzt wird, erklingt zu den Sakramentsgottesdiensten am Sonntag.
     
  • Das „Gloria“ mit der Tonfolge (f’-g’-b’) wird bei Wochengottesdiensten geläutet.
     
  • Zur Trauung wird Glocke 3 und Glocke 5 (g’-b’)  geläutet, denn die Gebet und die Gewissheit, dass wir in der Taufe von Gott angenommen wurden gehört zu einer gelingenden Partnerschaft.
     
  • Die Christusglocke läutet an Karfreitag und jeden Freitag zur Kreuzigungsstunde als Einzelglocke. Ebenso zu Gedenktagen des Terrors und an Bußtagen.
     
  • Der Tag wird um 7:00 Uhr mit der Gebetsglocke g’ begonnen und um 21:00 Uhr beschlossen. So sollen wir jeden Tag an die Notwendigkeit des Gebetes erinnert werden.