Das Leonharder Glockenbüchlein von 1957

Anlässlich zum Kirchweihfest Nürnberg – St. Leonhard am 1. September 1957 zur Glockenweihe, verfasst von Pfarrer Ludwig Fischer
(Als Datensatz eingelesen 2008 zum 50. Glockenjubiläum des vollen Glockenbestandes. Gefeiert zur Kirchweih am 21. September 2008)

Die alten Glocken
Über die ältesten Glocken auf unserer Kirche ist nichts bekannt. Ob sogleich bei der Einweihung 1317 am 25. Januar Glocken vorhanden waren, wissen wir es nicht gewiss. Es könnten höchstens zwei kleine Glocken gewesen sein; denn nur der Dachreiter, damals noch mitten auf dem Chor, war vorhanden. Er war aus Holz und von der Art, wie er jetzt auf der Rochuskapelle zu sehen ist.
Ein paar hundert Jahre später waren bestimmt zwei Glocken vorhanden. Bei dem Brand unserer Kirche im Jahre 1632, als die Wallensteinschen Kroaten von der Alten Veste her kommend, also im Dreißigjährigen Kriege, Kirche und Pfarrhaus anzündeten, ist wohl der Dachstuhl mit dem Dachreiter verbrannt. In dem Bericht des Nürnberger Rates heißt es darüber, dass „die Glocken noch auf dem Kirchengewölbe liegen“. Also war das Holzwerk verbrannt, das Gewölbe aus Stein aber geblieben, und die zwei kleinen Glocken waren auf das Gewölbe heruntergefallen.
Nach dem Wiederaufbau stand „das Dachreiterlein“, wie heute noch, auf der Chormauer über dem Triumphbogen. Vermutlich sind die beiden alten Glocken wieder hinauf gehängt worden, und am Kirchweihfest, am 2. September 1660, mögen sie zum ersten Male wieder geläutet haben. Im Jahre 1767 wurde das schadhaft gewordene Türmlein mit Eisen gefasst und der Glockenstuhl erneuert.
Aus dem Jahre 1829 wird berichtet, dass die beiden Kirchenglocken aus Kirchenstiftungsmitteln umgegossen wurden, nachdem die Baubehörde erklärt hatte - Nürnberg gehörte damals schon zu Bayern - dass das Türmlein ein kräftigeres Geläute ertragen könne.
Bei dieser Gelegenheit wird vermerkt, dass die alten Glocken 251 Pfund und 94 Pfund gewogen hatten. Die umgegossenen wogen dann, die größere 317 Pfund und die kleinere 174 Pfund. Der Glockengießermeister Joh. Christ. Schneider, wohl ein Nürnberger, verlangte dafür 235 fi. (= Gulden) und 21 Kr. (Kreutzer), und zwar 112 fi. 21 Kr. für 126 Pfund neue Glockenspeise und 123 fl. für den Umguss von 345 Pfund altes Glockengewicht und für das Herunterholen der alten und Aufhängen der neuen Glocken. Am Osterabend des Jahres 1829 wurden die neuen Glocken im Dachreiter aufgehängt.
Im Jahre 1866 erhielt das Türmlein, nachdem es ein Menschenalter lang ohne gehende Uhr gewesen war, eine neue Uhr mit drei Zifferblättern für 262 fi. und blecherne Schalläden.

Als im Jahre 1888 der neue, heutige Turm fertig war, wurden von Fabrikbesitzer Faber - Gostenhof drei neue Glocken gestiftet und am 25. Juni 1888 aufgerichtet. Die Nachfahren dieses Stifters haben heute die bekannte Bleistiftfabrik in Stein. Das alte Fabrikgebäude Fabers von damals steht heute noch in der Schanzäckerstraße und beherbergt die Möbelspedition Feldner.
Dieses Geläute hatte vermutlich den F-Dur-Akkord: f - a - c, vielleicht auch den F-Moll-Akkord f - as - c. Wohin die kleinen, alten Glocken gekommen sind, ist heute nicht mehr bekannt. Im Kriege wurden die beiden großen Glocken abgenommen und zu Kanonen eingeschmolzen. Die kleinste, die c-Glocke, blieb auf dem Turm.
Im Jahre 1924 wurden zwei Glocken angeschafft, die die Namen „Pietas“ und „Heimdall“ trugen, gestimmt auf den Ton as und den Ton f. Die Pietas war von der Familie Nagel - Kreutzerstraße gestiftet. Die größere ist heute wieder vorhanden. Sie heißt Heimdall nach einem in der germanischen Mythologie genannten Gott Heimdall, der der Wächter auf der Burg der Götter, auf der Asenburg, war und der vor allem die heranstürmenden Riesen, die Feinde der Götter, melden musste. Es scheint. dass damals die nationalen Wogen, Rückkehr zum Deutschtum und Germanentum, bis zu den Glocken aufschlugen. Der Name verrät die Gesinnung von Pfr. Weigel, der später Nationalsozialist und deutscher Christ geworden ist.
Bei dem Aufziehen war ein Unglück geschehen. Die kleinere der Glocken fiel vom Turm und zersprang. Der Vater des jetzigen Fotografen Simon hat eine Aufnahme gemacht und gerade in dem Augenblick geknipst, als das Seil riss. So kam die stürzende Glocke aufs Bild. Es musste eine neue Glocke gegossen werden. Die zersprungene lag bis zum 2. Weltkrieg in einer Ecke und wurde mitgenommen, als die Glocken geholt wurden. Die kleine, alte c-Glocke war aber für die beiden neuen Glocken zu schwach, so dass das Geläute nicht voll harmonisch klang. Es wurde beschlossen, ein neues Geläut anzuschaffen unter Beibehaltung der zwei vorhandenen größeren Glocken. Ein neuer, eiserner Glockenstuhl wurde eingebaut, der heute noch gut ist. Der Kirchenvorstand unter Pfarrer Rausch ließ 1932 fünf neue Glocken anschaffen, drei für den Turm und zwei für den Dachreiter, so dass das große, schöne Geläute sieben Glocken umfasste. Jetzt wurde auch der Dachreiter wieder lebendig, der seit 1888 zum Schweigen gebracht war. Nun wurde das Morgen- und Abendgebetläuten eingeführt. Das ganze Geläute war auf die Töne: des - f - as - b - c gestimmt, und alle Glocken waren von Hamm in Regensburg gegossen.

Es werden folgende Einzelheiten angegeben:

 Ton Name Gewicht in Kilogramm  Gewicht in Zentner  Ø in cm  Gussjahr
 des'   1800  36  148  1932 
 f'    900  18  120  1924
 as'    500  10  98  1924
 b'    350  7  84  1932
 c''    250  5  74  1932
 es''    120  2,5  66  1932
 f''    80  1,5  54  1932

1935 wurde das Geläut mit elektrischem Antrieb versehen. Wo sollten auch immer so viele „Läutbuben“ herkommen?
Im letzten Krieg 1939 - 1945 mussten die Bronzeglocken - und das waren alle sieben - abgeliefert werden. Nur historisch wertvolle - solche hatten wir nicht - und die kleinste durfte behalten werden. Die Glocken, die zur Ehre Gottes läuteten und die die Menschen zu Gott riefen, mussten dazu dienen, dass Menschen getötet werden konnten.

Geblieben ist der Gemeinde nur die kleinste Glocke auf dem Dachreiter mit dem Ton f“.

Wir haben sie nach dem Krieg auf den Turm bringen lassen. Sie war für alles unsere einzige Glocke. Ein paar Jahre nach dem Kriege, im Jahre 1949, ereignete sich folgende Episode. Pfr. Fischer wurde eines Tages vom Leiter der Gesamtkirchenverwaltung, Kirchenrat Klinger, angerufen, ob ihm der Name „Heimdall“ ein Begriff sei. Ich konnte mit Ja antworten, denn es war mir, der ich erst nach dem Kriege nach St. Leonhard gekommen war, doch schon öfters von den Glocken erzählt worden. Es stellte sich folgendes heraus: Ein Lastwagen, der in die sowjetisch besetzte Zone gefahren war - das war damals etwas Außerordentliches - hatte vom „Glockenfriedhof“ in Apolda drei Glocken mitgebracht, von denen man dort nur wusste, dass sie nach Nürnberg gehörten. Zwei davon hatte man bald ihren Eigentümern zustellen können. Auf der mit dem Namen „Heimdall“ findet sich weiter nichts als die Inschrift „Herr, mach uns frei!“ und „Im Jahr des Heils 1924 goss mich K. Hamm - Regensburg“. Wohin gehörte die Glocke? Eines Tages kam die Tochter des Professors Eisen, der lange Jahre an unserem Schulhaus Religionsunterricht erteilt hatte und der der Geschichtsschreiber unserer Gemeinde war - er lebt als ein alter Mann heute noch - eines Tages kam dessen Tochter in den Hof der Gesamtkirchenverwaltung, als man sich über die Glocke und ihren seltsamen Namen unterhielt. Und eben an diesem Namen erkannte sie, wohin die Glocke gehörte. So kam der eben angeführte Telefonanruf zustande.

Einen Tag nach der Einweihung unserer Notkirche, am Montag, den 31. Oktober 1949, wurde uns die Glocke zurückgebracht. Da der Glockenstuhl noch in Ordnung war, wurde sie, obwohl noch kein Dach auf dem Turm, und obwohl noch kein Aufgang zum Turm vorhanden war, an ihren Platz gebracht. Zur Christmette 1949 um 22 Uhr wurde sie zum Beginn nach einem Weihegebet zum ersten Male wieder geläutet. Das Notdach auf dem Turm wurde am 16. Februar 1950 fertig. Es ist in seiner flachen Form sehr schön. Es ist nur schade, dass die Lücken oben zwischen den Sandsteinen nur mit Backsteinen zugemauert worden sind. Der Glockenstuhl wurde mit Ölfarbe gestrichen. Die Gesamtkirchenverwaltung hat die Kosten getragen.
Jetzt konnten wir zu den Gottesdiensten am Sonntag mit der großen Glocke läuten. Zu den Gottesdiensten unter der Woche läuteten wir mit der kleinen Glocke. Zu Taufen und Trauungen wurde die große, bei Beerdigungen die kleine Glocke benützt. Ab 1. Januar 1951 wurde das tägliche Gebetläuten mit der großen Glocke eingeführt. Die Glocken wurden mit einem Seil geläutet.
Schwierig war, dass kein Aufgang zum Glockenstuhl vorhanden war, dass nur ein dünnes Gewölbe als Schutz diente, wenn einmal ein Klöppel herunterkam, und dass man nur auf halsbrecherische Weise hinaufgelangen konnte, indem man sich auf schlechtem Stand eine Leiter nachzog, wenn etwas zu reparieren war. Einmal hatten wir auch die städtische Feuerwehr mit ihrer großen Leiter hier. Von den Geldern, die wir zum Kirchbau gesammelt hatten, haben wir zuerst den Turm ausgebaut mit Steintreppen in den Seitentürmchen und einem hölzernen Aufgang im Turm selbst. Das war im Jahre 1955.
Im Jahre 1956 wurden dann die beiden Glocken fürs elektrische, selbsttätige Läuten eingerichtet. Die Schalttafel und die sonstigen Vorrichtungen wurden schon für sieben Glocken geplant. So war der Zustand der Glocken bis zum 31. August 1957, bis zu einer Zeit, wo schon am ersten Bauabschnitt des Wiederaufbaus unserer Leonhardskirche gearbeitet wurde.
All das ist ein äußeres Zeichen dafür, dass die Kirche Jesu Christi fest steht und unzerstörbar ist. „Mag bei der Stürme Wüten alles zittern, die Kirche steht, ein Fels in Ungewittern, und bleibet bei der Hölle wildstem Trutze in Christi Schutze.“ (Lied 195 V. 6) In unserer Planung des Wiederaufbaues standen neue Glocken an vorletzter Stelle. An letzter Stelle steht die Aufrichtung der Turmspitze. Denn zunächst bedürfen wir des Kirchenraumes und des Gemeindehauses. Als aber der Senior der Familie Ammon, Herr Friedrich Ammon, mit dem Angebot an uns herantrat, die auf dem Turm fehlenden vier Glocken stiften zu wollen, hat er uns damit eine große Freude gemacht und hat die ganze Gemeinde zur Dankbarkeit verpflichtet. Wir haben mit beiden Händen zugegriffen und die Stiftung mit dankbarer Freude entgegengenommen.

Als Stifter sind beteiligt das Haupt der Familie, Friedrich Ammon, geb. am 2. August 1880 zu Fernabrinst, Inhaber des Eisenwarengeschäfts in der Schwabacher Straße 80, und seine Frau Babette Ammon, geb. Krugmann, geb. am 28. April 1885 in Linden; sodann ihre Söhne Erich Ammon, geb. am 23. März 1914 zu Nürnberg, wohnhaft Schwabacher Str. 80, ein Mann, der im Kriege sein Augenlicht opfern musste, der aber im Geschäft seinen Posten ganz ausfüllt; und Hans Ammon, geb. am 9. Oktober 1920 zu Nürnberg, wohnhaft Kreutzerstr. 64; und deren Ehefrauen Käthe und Amanda, beide geb. Paul.

Die notwendigen Vorbesprechungen wurden mit einem der Glockensachverständigen unserer Landeskirche, mit Herrn Kirchenmusikdirektor Kantor Meyer in Ansbach gepflogen, und schließlich wurde der Guss der Glocken der Glockengießerei Bachert in Heilbronn am Neckar in Auftrag gegeben.
Die Glocken wurden etwas anders disponiert, als es die alten waren; die Tonstufen zwischen den einzelnen Glocken sind nicht mehr so groß. Es wurde von der vorhandenen Glocke f‘ ausgegangen, und es wurde das Geläute des Turmes folgendermaßen zusammengestellt:
d‘ - f‘ - g‘ - a‘ - b‘. Dazu passte noch die vorhandene, kleine Glocke f“.

Hier folgt eine Aufstellung über die Einzelheiten:

 Ton  Name  Gewicht in kg  Gewicht in Zentner  Ø in cm  Gussjahr
 d'  Christusglocke u. Gefallenenglocke  1627,55  32,5  140  1957
 f'  Gottesdienstglocke  900  18  120  1924
 g'  Betglocke  665  13   105   1957 
 a'  Vaterunserglocke  464  9   94  1957
 b'  Taufglocke  394  8,5   89  1957
 es''  Beerdigungsglocke 1 (fehlt)  148  -  65  1958
 f''  Beerdigungsglocke 2  80  1,5  54  1932

 
Namen, Inschriften, Bilder der Glocken

1. Die größte Glocke auf den Ton d‘ ist die Christusglocke und Gefallenenglocke
Sie ehrt den, dem wir unser Heil verdanken, und lässt die nicht vergessen, die ihr Leben hergegeben haben in den Kriegen, und denen als einziges das ewige Heil in Christo geblieben ist. Diese Glocke trägt auf der einen Seite als BILD: Christus auf dem Thron sitzend; als Richter geht ihm das zweischneidige Schwert aus seinem Munde; als Heiland seiner Gemeinde hält er die sieben Sterne in seiner Hand. Um ihn zieht sich der Kreis der Ewigkeit. Darum sind die Kronen der 24 Ältesten angedeutet, die ihm ihre Kronen zu Füßen legen. Es ist die Erscheinung des wiederkommenden Herrn nach der Offenbarung des Johannes. Diese Seite trägt die Inschrift nach der Offenbarung: Jesus Christus, König und Herr! und nach Psalm 19 den Spruch: Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre. Auf der anderen Seite dieser Glocke sieht man als Bild: Wie der Erzengel Michael den Drachen besiegt. Es ist dies nach Offenbarung 12, Verse 7 - 12 gebildet und bedeutet nichts anderes, als dass Christus auch der Herr ist über die unheimlichen Gewalten, wozu auch der Krieg gehört. Als Mahnung trägt diese Seite die Inschrift: „Vergesst nicht die Opfer der Kriege!“ und den Trost: „Ein feste Burg ist unser Gott.“

Wir glauben damit, den Toten der beiden Kriege in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts ein Denkmal gesetzt zu haben, das beredter ist als jedes andere. Es ist uns eine Mahnung und eine Hilfe, dass wir der Opfer der Kriege zusammen mit unserem Herrn und Heiland gedenken dürfen. (Es bleibe an dieser Stelle nicht unerwähnt, dass wir nach dem Wiederaufbau unserer Kirche das Denkmal für die Gefallenen des ersten Krieges wieder an der Friedhofseite anbringen werden mit einer neuen Inschrift, die auch die Toten des Krieges 1939 - 45 mit einbezieht.) An dieser größten Glocke befindet sich auch noch eine Plakette mit dem Inhalt: „Zum Gedächtnis unseres Sohnes Fritz, gefallen in Russland am 17. II. 1943, gestiftet von Friedrich und Babette Ammon.“ Diese Glocke trägt in der Läutordnung die Zahl I.

2. Die nächst folgende, große, auf den Ton f‘ gestimmte Glocke ist bereits vorhanden. Nach ihr musste das Geläut zusammengestellt werden. Auf ihr ist der Name „Heimdall“ eingeschrieben. Heimdall ist nach der germanischen Mythologie der Wächter auf der Asenburg, der Burg der Götter: Er muss ins Horn stoßen, wenn Feinde die Götterburg angreifen, zumal wenn die Feinde der Götter, die Riesen, zum letzten Kampf angreifen. Der Name ist sichtlich 1924 unter dem Eindruck gewählt, dass die Rückkehr ins alte deutsche und germanische Wesen uns heilsam sein könnte. Das Verlangen nach dem nationalen Aufstieg bezeugt auch die Inschrift dieser Glocke: Herr, mach uns frei! Wir erlauben uns, den germanischen Namen und die nationale Inschrift umzudeuten. Wir vergessen nicht, dass wir aus dem Germanentum herstammen, aber das Heil ist nicht dort, sondern im Christentum, in Christus selbst, und wir wollen uns zur wahren Freiheit der Kinder Gottes von der himmlischen Botschaft des Gottes Wortes rufen und uns frei machen lassen durch Christus von den letzten Feinden Sünde, Tod und Hölle. Wir bezeichnen diese Glocke jetzt als die Gottesdienstglocke, weil sie im Geläute immer dabei ist, wenn zum Gottesdienst gerufen wird. Diese Glocke trägt in der Läutordnung die Nummer II.

3. Die dritte und mittlere Glocke ist auf den Ton g‘ gestimmt. Sie ist die Betglocke. Sie ist am öftesten zu hören, weil sie täglich zu den Gebetszeiten läutet. Sie trägt die Aufschrift aus Psalm 106, V. 1: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ Die Aufschrift will daran erinnern, dass wir nicht bloß beten, wenn wir etwas zu bitten haben, sondern dass wir täglich etwas zu danken haben. Zu Bitte, Fürbitte, Dank und Lobpreis will uns diese Glocke mahnen. Als BILD sind ihr eingeritzt zwei Betende vor einem Kreuz; der Kreis der Ewigkeit umschließt alles. Die zwei Betenden sind als Oranten gebildet, d. h. sie beten mit erhobenen Händen, wie es die ersten Christen gemacht haben, wie es Bilder aus den ersten christlichen Jahrhunderten überliefern, wie heute noch der Pfarrer beim Segen die Hände erhebt. Auf einer Plakette steht: „Gestiftet von Friedrich, Hans und Erich Ammon im Jahre des Heils 1957.“ In der Läutordnung ist sie mit Nummer III bezeichnet.

4. Die vierte, kleinere Glocke läutet auf den Ton a‘. Sie ist die Vaterunserglocke, weil sie vor allem geläutet wird, während im Sonntagsgottesdienst von der Gemeinde das Vaterunser gebetet wird. Durch sie sollen diejenigen, die nicht im Gottesdienst sind, die Möglichkeit haben, dass sie gleichzeitig mit der Gemeinde beten können. Hoffentlich tun es recht viele! Sie hat als Inschrift die wichtigste Bitte des Vaterunsers: „Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern!“ Als BILDSCHMUCK trägt sie den verzeihenden Vater mit dem verlorenen und wieder gefundenen Sohn, wiederum von dem Kreis der Ewigkeit umfangen und geborgen. Auf der Plakette steht wiederum: „Gestiftet von Friedrich, Hans und Erich Ammon im Jahre des Heils 1957.“

Wir bezeichnen sie in der Läutordnung mit Nummer IV.

5. Die fünfte und kleinste Glocke auf dem Turm hat den Ton b‘. Sie ist die Taufglocke. Als Inschrift trägt sie das Wort Apg. 18, l0 b: „Ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.“ Das BILD zeigt die drei Männer im Feuerofen mit dem Engel, der sie bewahrte, wie es der Prophet Daniel im 3. Kapitel berichtet. Dieses Bild gilt uns, ähnlich wie die Arche Noah, als Zeichen für die Taufe. Denn wer da glaubet und getauft wird, der wird von dem dreieinigen Gott durch Feuer und Wasserwogen hindurchgerettet ins ewige Leben. Die Glocke will uns voller Zuversicht an unsere Taufe erinnern. Eine Plakette nennt die Stifter: „Gestiftet von Friedrich, Hans und Erich Ammon im Jahre des Heils 1957.“ Wir bezeichnen diese Glocke mit der Zahl V.

6. Unsere kleinste Glocke, auf den Ton f“ gestimmt, gehört in den Dachreiter. Sie wurde nach dem Kriege nur hilfsweise in den Turm gehängt, weil uns der Dachreiter nicht fest genug schien. Sie muss der Taufglocke weichen und muss so lange feiern, bis der Triumphbogen ausgebessert und der Dachreiter fest genug ist, dass wir sie ihm wieder anvertrauen können. Bis dahin muss die Vaterunserglocke ihren Dienst versehen. Sie ist nämlich die Beerdigungsglocke und läutet, wenn sich der Trauerzug von der Aussegnungshalle zum Grabe begibt. Sie trägt die Aufschrift: Joh. 11, 25: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“

Es ist gut, dass wir diese Aufschrift wieder einmal erfahren. Denn wenn wir sie zu den Beerdigungen mit ihrem mahnenden Bimmeln hören, dann ruft sie uns nicht bloß zu: Gedenke, Mensch, dass du sterben musst!, sondern wir wollen uns auch aufrichten lassen voller Glauben und Hoffnung, dass Christus für uns dem Tode Verfallene das Leben und die Auferstehung ist. Sie trägt bei uns die Nummer VII.

7. Diese Glocke fehlt uns noch. Sie war früher die Es-Glocke und müsste künftig mit ihrem Ton zwischen b‘ und f“ liegen, so dass sie ins volle Geläute hineinpasste. Ihr Platz ist ebenfalls auf dem Dachreiter. Wenn sie vorhanden wäre, würden wir bei Beerdigungen mit den zwei kleinen Glocken läuten. Sie müsste die Nummer VI tragen. (Redaktionelle Anmerkung: Die Glocke trägt nun den Ton es''. Sie hat die Inschrift: Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes. Als Bild zeigt sie die Auferweckung des Lazarus.) Auf den vier neuen Glocken sind die Bilder in der so genannten Ritztechnik gemacht. Das ist eine alte Kunst, die lange Zeit nicht mehr geübt worden ist, während sie im Mittelalter recht häufig war. Bis jetzt hat man die Verzierungen aufgesetzt, aber in der Ritztechnik entstehen sie zugleich beim Guss. Das Bild wird in den Glockenmantel vor dem Guss eingeritzt und erscheint dann auf der fertigen Glocke erhöht oder erhaben. Diese Art des Bildens ist unmittelbarer und lebendiger. Als ein Meister in dieser Ritztechnik hat sich Herr Uhrig, ein schwäbischer Künstler, bewährt. Ihm verdanken wir die Bilder auf unseren neuen Glocken.

Wir glauben, dass es ein schönes Geläute werden wird, dass im Klang dieser Glocken Ernst und Zuversicht, Trauer und Freude ihren Ausdruck finden werden. Glocken sind ja besonders schöne Musikinstrumente, die uns in der Rührung sowohl wie in der Erhebung zu ergreifen vermögen.

Mit der Freude Feierklange / begrüßt sie das geliebte Kind auf seines Lebens erstem Gange, den es in Schlafes Arm beginnt. / Lieblich in der Bröute Locken spielt der jungfräuliche Kranz, wenn die hellen Kirchenglocken laden zu des Festes Glanz. / Aus der Wolke, ohne Wahl, / zuckt der Strahl. / Hört ihrs wimmern hoch vom Turm! Das ist Sturm! / Rot wie Blut ist der Himmel. / Von dem Dome, / schwer und bang, / tönt die Glocke  / Grabgesang. / Ernst begleiten ihre Trauerschläge  / einen Wandrer auf dem letzten Wege. Ach, die Gattin ists, die teure, ach, es ist die treue Mutter, /die der schwarze Fürst der Schatten wegführt aus dem Arm des Gatten, aus der zarten Kinderschar, / die sie blühend ihm gebar, / die sie an der treuen Brust / wachsen sah mit Mutterlust. / Holder Friede, / süße Eintracht, / weilet, weilet / freundlich über dieser Stadt! / Möge nie der Tag erscheinen, / wo des rauhen Krieges Horden dieses stille Tal durch toben, / wo der Himmel, / den des Abends sanfte Röte lieblich malt, / von der Dörfer, von der Städte wildem Brande schrecklich strahlt. / Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn. / Hoch überm niedern Erdenleben / soll sie im blauen Himmelszelt, / die Nachbarin des Donners, schweben / und grenzen an die Sternenwelt, / soll eine Stimme sein von oben, / wie der Gestirne helle Schar, die ihren Schöpfer wandelnd loben / und führen das bekränzte Jahr. / Nur ewigen und ernsten Dingen sei ihr metallner Mund geweiht, / und stündlich mit den schnellen Schwingen berühr im Fluge sie die Zeit. / Dem Schicksal leihe sie die Zunge/ selbst herzlos, ohne Mitgefühl, begleite sie mit ihrem Schwunge / des Lebens wechselvolles Spiel. / Und wie der Klang im Ohr vergehet, der mächtig tönend ihr entschallt, / so lehre sie, dass nichts bestehet, dass alles Irdische verhallt. (Aus Schillers Glocke)

Das Geläute

Durch die große Anzahl von sieben, vorläufig sechs Glocken haben wir die Möglichkeit, unser Läuten so zu ordnen, dass jeder Akt, zu dem geläutet wird, sein bestimmtes Geläute bekommt. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kann jedermann wissen, warum und wozu jetzt geläutet wird, und man muss sich nicht mehr vergeblich fragen, was denn jetzt das Läuten bedeutet. Gerade auch aus diesem Grunde hat der Kirchenvorstand beschlossen. dass dieses Glockenbüchlein geschaffen werden solle, damit es sich die Gemeindeglieder aufheben, um manchmal über ihre Glocken nachlesen zu können. Der Sinn des Geläutes ist nicht, dass einfach mit allen Glocken drauflos geläutet wird, sondern es soll jede Handlung ihre eigene Glocke oder ihr eigenes Geläute haben, und es soll die Schönheit der Einzelglocke und es sollen die verschiedenen Harmonien der Zusammenklänge zu Gehör kommen.


Die Einzelglocken läuten einzeln zunächst einmal wie es ihr Name andeutet und wie es die nachfolgende Läutordnung festlegt.

Das gesamte Geläute, das Plenum, oder wie wir sagen, das Zusammenschlagen aller Glocken hören wir nur zu den Gottesdiensten an den christlichen Festtagen: f“ - b‘ - a‘ - g‘ - f‘ - d‘ (VII, V, IV, III, II, I).

Das Hauptmotiv unserer Glocken ist das Tedeum: d‘ - f‘ - g‘ (I, II, III). Mit ihm werden die Sonntagmorgengottesdienste eingeläutet.
Durch die Hinzufügung der b‘-Glocke entsteht das erweiterte Tedeum, das Idealmotiv: d‘ - f‘ - g‘ - b‘ (I, II, III, V).
Damit läuten wir an den gewöhnlichen Sonntagen zu den Hauptgottesdiensten.

Die Tonfolge: f‘ - g‘ - b‘ heißt man das Gloria (II, III, V).
Da wir die größte, festliche Glocke nur an den Sonn- und Feiertagen und höchstens zum hl. Abendmahl verwenden wollen, nehmen wir diesen Zusammenklang für die Wochengottesdienste und die Morgenandachten unter der Woche, sowie für allenfallsige Gottesdienste unter der Woche.

Der schöne, weiche Molldreiklang: d‘ - f‘ - a‘ soll uns zum Abendmahl rufen mit den Glocken I, II, IV.
Weil das hl. Abendmahl neben dem Worte Gottes das beste ist, was Gott seiner Gemeinde darreicht, soll bei ihm die große Glocke dabei sein und soll der weiche Molldreiklang die Gnade des Sakraments kennzeichnen.

Die so genannte diatonische Folge: g‘ - a‘ - b‘, ein heller Dreiklang, lädt zu den Kinder- und den Schulgottesdiensten ein (III, IV, V).

Zu den Trauungen läuten wir mit dem angenehmen Zweiklang: g' - b' (III, V).
Sinnvoller Weise nimmt man zu den Trauungen zwei Glocken, und zwar die Taufglocke, denn die Taufe ist die Voraussetzung für eine christliche Ehe, und dazu die Betglocke, denn ein gutes christliches Eheleben ist ohne Gebet nicht denkbar.

Das Läuten mehrerer Glocken geschieht immer in der Weise, dass mit der kleineren Glocke des Zusammenklangs begonnen wird, dass nach 10 bis 15 Schlägen die nächst größere einsetzt; nach deren 10 bis 15 Schlägen kommt dann die nächst größere usw. bis zur größten. Beim Schluss des Läutens wird in der gleichen Reihenfolge aufgehört. Die kleinste des Geläutes hört zuerst auf und die größte zuletzt. Die Glocken sollen nicht länger als 5 bis 7 Minuten geläutet werden. Beim Läuten einzelner Glocken genügt schon eine Zeitdauer von 2 bis 3 Minuten. Das volle Geläute, das Zusammenschlagen, wird nur zu den Festtagsgottesdiensten und zum Einläuten der Feste am Tage davor um 14 Uhr verwendet werden, damit seine Großartigkeit nicht zu gewohnt wird und der Gemeinde immer wieder eindrücklich ist.

Unsere Läuteordnung

Der Kirchenvorstand hat in seiner Sitzung am 8. Juli 1957 einstimmig die folgende Läutordnung beschlossen:

A. Die Einzelglocken
Die kleinste Glocke VII, auf den Ton f“ gestimmt, ist die Beerdigungsglocke. Sie hängt im Dachreiter.
Die nächst größere Glocke VI, die noch nicht vorhanden ist, ist ebenfalls Beerdigungsglocke. Auch sie hängt auf dem Dachreiter.
Die kleinste Glocke V auf dem Turm, auf den Ton b‘ gestimmt, ist die Taufglocke.
Die nächste IV, auf den Ton a‘ gestimmt, ist die Vaterunserglocke.
Die mittlere Glocke III, auf den Ton  g‘ gestimmt, ist die Betglocke.
Die zweitgrößte Glocke II, auf den Ton f‘ gestimmt, ist die Gottesdienstglocke.
Die größte Glocke I, auf den Ton d‘ gestimmt, ist die Christus- und Gefallenenglocke.

B. Läuten der Einzelglocken.
VII wird bei Beerdigungen geläutet, wenn sich der Trauerzug von der Aussegnungshalle zum Grabe bewegt.
VI versieht mit VII zusammen den gleichen Dienst.
V läutet bei den Taufen.
IV gibt zum Vaterunser in den Sonntags- und Festtagsgottesdiensten den Gemeindegliedern, die nicht im Gottesdienst sind, die Möglichkeit, gleichzeitig mit den Gemeindegliedern im Gottesdienst das Vaterunser zu beten.
III wird zum täglichen Gebetläuten verwendet um 7, 12 und 21 Uhr.
II ruft allein beim Vorläuten eine Viertelstunde davor zu den Sonntags- und den Festtagsgottesdiensten.
I wird allein geläutet zu den Gottesdiensten am Karfreitag und am Bußtag und zum Glaubensbekenntnis bei den Konfirmationen. Allein läutet sie auch um 15 Uhr am Karfreitag zur Todesstunde des Herrn. Wenn um diese Stunde das Abendmahl beginnt, dann läutet sie von 14.55 bis 15 Uhr, woran sich dann mit kleiner Pause das Läuten zum, Abendmahl anschließen würde. - Ebenfalls allein wird sie geläutet zu Gedenkfeiern an die Opfer der Kriege.

C. Zusammenläuten mehrerer Glocken.
VII - I, das gesamte Geläute, das Plenum, wird nur an den großen und kleinen christlichen Festen zum Beginn der Gottesdienste, Neben- und Hauptgottesdienste, und zum Einläuten dieser Feste am Vortag um 14 Uhr (doch siehe unter D Einzelheiten!) verwendet. Das ist am 1. Advent, Christnacht, Weihnachten. I und II, Epiphanias, Konfirmation, Gründonnerstag (Einsetzung des hl. Abendmahls!), Osternacht, Ostern I und II, Himmelfahrt, Pfingsten I und II, Trinitatisfest, Missionsfest, Kirchweihfest, Erntedankfest, Reformationsfest oder wenn sonst ein kirchliches Fest gefeiert wird.
V, III, II, I läutet an den gewöhnlichen Sonntagen den Hauptgottesdienst ein.
III, II, I läutet an solchen Sonntagen zu den Nebengottesdiensten, zurzeit zu dem Frühgottesdienst.
V, III, II läutet die Wochengottesdienste und die Morgenandachten ein.
IV, II, I dient zum Beginn der Beicht- und Abendmahlsfeiern an Sonn-, Feier- und Werktagen.
V, IV, III beginnt die Kinder- und Schulgottesdienste.
V, III läutet zum Beginn der Trauungen.

D. Einzelheiten
Staatliche Feiertage, die gottesdienstlich nicht begangen werden, gelten hinsichtlich der Läutordnung als Werktage.
Die Gottesdienste am Silvesterabend und an Neujahr gelten als gewöhnliche Sonntagshauptgottesdienste mit dem Geläute V, III, II, I zu jedem Gottesdienst.
In der Silvesternacht um 12 Uhr wird mit allen Glocken geläutet VII-I, aber nicht länger als 7 Minuten.
Die Vortage zu den Festen erhalten das gleiche Geläute wie die Hauptgottesdienste des folgenden Tages. Im allgemeinen geschieht das Einläuten am Vortag um 14 Uhr. - Der Gründonnerstag allerdings gilt nicht als Vortag zum Karfreitag. Der Karfreitag wird überhaupt nicht eingeläutet. Am Gründonnerstag wird aber zu dem Abendmahl um 20 Uhr mit dem Plenum VII-I geläutet. - Auch am Karsamstag entfällt das Einläuten des Osterfestes nachmittags; das Osterfest wird vielmehr abends am Schluss des Osternachtsgottesdienstes mit dem Plenum VII-I eingeläutet.
Soweit die beschlossene Läutordnung!

Feier der Glockeneinholung
Am Montag, den 19. August 1957, wurden die vier neuen Glocken mit dem Lastwagen gebracht und vor dem Turm abgeladen. Zu der Feier der Glockeneinholung wurden die blank geputzten Glocken mit Grün und Blumen geschmückt, aber so, dass man Inschriften und Bilder sehen konnte. Mit der vorhandenen Glocke II wurden sie um 17.30 Uhr begrüßt. Die Gemeinde sang „Allein Gott in der Höh sei Ehr . . .“ Nr. 179 V. 1. „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ begann Pfarrer Fischer eine Ansprache, die mit einem Dank an die Stifter, die Familie Ammon, anfing, und in der er vor allem auf die Inschriften und Lobt Gott, ihr starken Seraphim, auf die Bilder hinwies, damit die Gemeinde sie sich an diesem Abend anschaue, ehe die Glocken für sie unsichtbar würden aber nicht unhörbar.  Er sagte, dass die Glocken Schmuck und Schrift nicht bloß für die Menschen trügen, sondern sie hingen mit diesen Worten und Bildern zur Ehre Gottes in der Glockenstube, dem alles gegenwärtig, schaubar und die hier auf Erden wohnen. hörbar ist. Die Glocken dienen ja nicht bloß den Menschen, sondern sie erhöhen die Ehre unseres Gottes.

Nach dem Vaterunser wurde gebetet:
Herr, unser Gott, wir danken dir von Herzen, dass für unsere St. Leonhardskirche zur Ehre deines Namens vier neue Glocken gestiftet worden sind. Wir bitten dich: Segne alle, die zu diesem Werk beigetragen haben, aus der Fülle deiner Gnade. Deiner Barmherzigkeit befehlen (Lied 14 V. 7) wir die teuren Toten, deren Andenken die größte Glocke dieses Geläute gewidmet ist. Behüte unser Geläut, dass die Glocken nie mehr in einem Kriege gebraucht werden, Behüte alle, die fortan mit den Glocken zu tun haben, gnädig vor Unfall und Schaden, auf dass wir sie bald mit fröhlichem Herzen deinem Dienste weihen können. Erhöre uns um deiner Barmherzigkeit willen durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.
Mit dem Lied 25 ,, Ach bleib mit deiner Gnade.. .“ und mit dem Segen schloss die Feier.
An den nächsten Tagen wurden die Glocken dann auf den Turm gebracht und an ihren Platz im noch vorhandenen Glockenstuhl gehängt sowie das elektrische Getriebe eingerichtet.

Die Glockenweihe ist auf das Kirchweihfest am 1. September 1957 angesetzt worden
Um recht vielen Gemeindegliedern die Möglichkeit zu geben, bei dieser seltenen Feier dabei sein zu können, hat der Kirchenvorstand beschlossen, dass an diesem Tag nur ein Nebengottesdienst im Betsaal Schweinau um 8.15 Uhr gehalten werden soll, dass aber der Frühgottesdienst in St. Leonhard um 8 Uhr und der Hauptgottesdienst in Schweinau um 9.30 Uhr ausfallen sollen zu Gunsten des Festgottesdienstes um 9.30 Uhr. Der Kirchenvorstand hat sich auch damit befasst, ob der festliche Gottesdienst nach dem üblichen Brauch, den Frühgottesdienst am Kirchweihfest auf dem Friedhof zu halten, nicht auf dem Friedhof gehalten werden könne. Aber die Tatsache, dass an der Ruine gebaut wird und kein rechter Platz für die zu erwartende Zahl der Gemeindeglieder vorhanden ist, und die Befürchtung, dass die Unsicherheit des Wetters bei den Vorbereitungen Schwierigkeiten bereiten könnte, hat den Kirchenvorstand bestimmt, den Gottesdienst in der Notkirche zu halten und ihn sowohl in die Aussegnungshalle wie ins Freie mit Lautsprecher übertragen zu lassen. Schließlich wurde noch beschlossen, dass, da während des Gottesdienstes nur die einzelnen Glocken und das gesamte Geläute zu hören sind, nach dem Gottesdienst die verschiedenen Arten des Zusammenläutens zu Gehör gebracht und über den Lautsprecher bezeichnet werden sollen.

Der festliche Glockenweihegottesdienst
am Kirchweihtag, am 11. Sonntag nach Trinitatis, am 1. September 1957, um  ½ 10 Uhr hatte folgende Ordnung.
Läuten zum Beginn in der bisher üblichen Weise
Vorspiel des Posaunenchors
Gemeinde singt das Tedeum, Lied Nr. 2, im Wechsel mit dem Kirchenchor
Antiphone durch den Kirchenchor
Introitus zum Kirchweihfest: „Jauchzet dem Herrn, alle Welt‘
Ehre sei dem Vater...
Antiphone wiederholt
Sündenbekenntnis mit Kyrie
Absolution mit Gloria und Glorialied des Chores: „In dir ist Freude."
Salutation, Kollekte, Lektion Lukas 19, 1-10
Gemeinde singt Lied 192, V. 1-4: „Kommt her, ihr Christen, voller Freud..."
Predigt über Jeremia 22, V. 29
Chor singt: „Zeuch an die Macht, der Arm des Herrn."
Glockenweihe
Nachdem am Ende der Glockenweihe, bei der jede Glocke einzeln geläutet hatte, alle Glocken miteinander zu läuten angefangen haben, fällt die Gemeinde ein mit Lied 5, V. 3: „Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne..."
Die Glocken läuten nach dem Vers langsam der Reihe nach
zu Ende.
Kurze Abkündigungen, vom Lesepult aus
Versikel: Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses....
Kirchengebet zur Kirchweihe
Salutation, Benedicamus, Segen.
Zur festlichen Gestaltung des Gottesdienstes teilten sich die vier Pfarrer nach Liturgie, Lesung, Predigt und Abkündigungen. Die vier Pfarrer waren ebenfalls an der eigentlichen Glockenweihe beteiligt.
Zur Unterstützung des Kirchenchores sang der Männerchor „Liederkranz-Harmonie“ mit. Beiden Chören, sowie dem Posaunenchor, der auch die Lieder der Gemeinde begleitete, sei aufs beste gedankt.
Hallelujah
Mit fröhlichem Schall verkündiget, das man‘s höre!
Halleluja!
Der Herr hat sein Volk erlöset.
Halleluja, Halleluja!
(Antiphone)

Aus der Predigt, gehalten von Pfarrer Fischer über Jeremia 22, 29:
0 Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!
Ein seltsames Fest feiern wir

Ehe die Kirche eingeweiht wird, können wir die Glocken weihen, denn der Turm steht und ist wieder in Ordnung, aber noch ist das Schiff nicht errichtet, sondern wir sind noch mitten im Wiederaufbau. Für ein seltsames Zeichen wollen wir das anschauen, wie die Welt verkehrt geworden ist und wie sie in Unordnung geraten ist. Das kann nur Gott ändern. Kirchen und Glocken können wir machen. Der Welt und der Menschheit die endgültige ewige Gestalt geben und die Ordnung zur Ehre Gottes und zum Heile der Menschen macht Er allein.
Ein seltenes Fest feiern wir
Nicht oft werden Glocken angeschafft und geweiht. Nur unserem Geschlecht ist es beschieden, dass es zweimal die Glocken hergeben musste, hergeben zu dem greulichen Zwecke des Krieges. Was der Ehre Gottes diente und was die Menschen zu ihrem Heile einlud, musste zum Töten dienen. 0 Gott, verzeih uns unsere Sünden! Und vergib der Menschheit ihre Schuld! Zweimal erlebt es dieses Geschlecht, dass Glocken neu angeschafft werden konnten. Zwei sind Zeugen aus dem Jahre 1924 und aus dem Jahre 1932 und vier aus unserem Jahr 1957, dass sich Gottes Gnade noch nicht von uns gewendet hat. 0 Gott, wir danken dir, dass du deine Gnade noch nicht von uns gewendet hast, sondern deine Barmherzigkeit hat noch keine Ende, und deine Treue ist groß.
Ein ernstes Fest ist es aber auch
Denn wir haben nicht nur zweimal die Glocken hergeben müssen, sondern wir haben mit ihnen noch viel, viel mehr, viel lebendiges, blühendes, junges Leben, und im zweiten Krieg zu dem Leben der Männer noch viel Leben von Kindern, Frauen und Greisen hergeben müssen. Und nicht nur das Leben! Wer kann die Unsumme der Opfer an Blut und Gut, an Schmerz und Tränen ermessen! Daran gedenken wir heute. Wir wollen nicht zu denen gehören, die es selber jemals vergessen, noch zu denen, die es vergessen lassen wollen. Darum haben wir den Opfern der Kriege ein besonderes Denkmal gesetzt, das eindrücklicher ist als eines aus Wort und Stein. Die große Glocke ist zugleich die Gefallenenglocke. Sie mahnt mit der Aufschrift: Vergesst nicht die Opfer der Kriege! Und sie tröstet mit dem Worte Luthers: Ein feste Burg ist unser Gott. Das Bild des Erzengels Michaels aus der Offenbarung Johannis, wie er den Drachen, den alten, bösen Feind tötet, ist uns ein Zeichen dafür, dass Gott und unser Herr Christus größer ist als Krieg und Tod.
Trotzdem feiern wir ein Fest voller Dank.
Unser Dank gilt zunächst der schönen Gesinnung der Stifter unserer neuen Glocken. Schon das ist dankenswert, dass man sagen kann: Sie haben sie gestiftet und uns gehören sie. Wir danken der Familie Ammon, ihrem Haupt Friedrich Ammon und seiner Frau und den Familien der beiden Söhne. Sie hätten wahrlich, wie es Tausende tun, ihr Geld auch für etwas anderes ausgeben können, für etwas, wo sie hätten sagen können: Da haben wir wenigstens etwas davon. Wie viele gibt es, die schon über die Kirchensteuer und über das Kirchgeld stöhnen! Das muss die Familie Ammon auch zahlen. Drücken wir‘s nur recht aus: Wir danken Gott dafür, dass er der Familie Ammon diesen Geist gegeben hat, dass sie großzügig ist und ihren eigenen Vorteil und Nutzen ausschalten kann, dass sie diese Stiftung unserer lieben Gemeinde zuliebe und unserem Gott zur Ehre gemacht hat.
Ihr wißt so gut wie ich, was da alles geredet wird von: Die könnens machen! bis hin zu: Wenn ich das Geld hätte, würde ich auch etwas stiften! Meine Lieben, das käme erst noch darauf an. Und etwas kann jeder geben, da muss er nicht erst warten, bis er noch mehr hat. Wir wollen überhaupt nicht zu denen gehören, die ihre Betrachtungen anstellen über die Leute, die Geld haben, ja die Geld haben für die Gemeinde und für die Sache Jesu Christi. Wir sind nur voll Dank gegen Gott, dass er der Familie Amman dieses großzügige Geben ins Herz gegeben hat. Auch nachfolgende Geschlechter sollen durch die Bezeichnung der Stifter auf den Glocken daran gemahnt werden, dass dieser Geist zur Gemeinde Jesu Christi gehört. Es wird nicht bloß Geld gebraucht, das nicht alle haben; es wird auch Zeit gebraucht, die alle nehmen können; es wird auch allerlei Fähigkeit gebraucht - und es ist keiner unter uns, der nicht irgendeine Fähigkeit in den Dienst der Sache Jesu Christi stellen könnte; es werden auch Herzen gebraucht, und ein Herz hat ein jeder; und gebraucht wird dieser Geist: Nicht für mich, sondern für die andern, und für Gott nicht bloß ein bißchen, sondern viel, ja alles!
Insbesondere aber feiern wir heute ein Fest der Freude
Wo Gnade Gottes ist und wo Dank ist, da ist auch Freude. Wir freuen uns richtig, dass uns ein so schönes Geläute beschert worden ist, und dass nun zur Sache unseres Gottes und zur Sache unseres Heilandes Jesus Christus und zur Sache unserer Kirche so laut und so schön, so eindrücklich wie Gottes Wort selber und so unüberhörbar wie die Stimme Gottes gerufen werden kann. Wir freuen uns, dass Menschenherzen dazu bewegt worden sind, ihr Geld zu opfern, und dass Menschenherzen dazu bewegt werden können, wiederum zu opfern, was sie haben, ja sich selber wieder Gott darzubringen.
Wir freuen uns, dass die große Glocke, die die Gefallenenglocke ist, zur andern Hälfte gleichzeitig die Christusglocke ist. Das ist mit Absicht so gemacht worden. Denn was sollte uns das Gedächtnis der Gefallenen, wenn wir nicht gleichzeitig daran denken könnten, wer sie in der Hand hat alle, die gefallen in Land und Meer. Darum die jubelnde Aufschrift: JESUS CHRISTUS, KÖNIG UND HERR! und die Gewissheit, dass in der sichtbaren und unsichtbaren Welt Gott lobenswert ist, wie der Spruch auf ihr sagt: DIE HIMMEL RÜHMEN DES EWIGEN EHRE. Und dass das Bild darauf den regierenden Herrn der Welt und der Völker zeigt, der seine Gemeinden wie die Sterne in seiner Hand hat; der mit dem Schwert seines Mundes gerecht und gewaltig richtet; dem die 24 Ältesten ihre Kronen weihen, wie wir unsere Glocken und unsere Herzen und - Gott geb‘s! - auch uns selber.
Wir freuen uns, dass die eine Glocke ausgesprochen die Betglocke ist, die alle Tage früh, mittags und abends unüberhörbar zum Gebet ruft. Und nicht bloß zum Bitten, sondern wie die Aufschrift: DANKET DEM HERRN, DENN ER IST FREUNDLICH, UND SEINE GÜTE WÄHRET EWIGLICH, sagt, auch zum Dankgebet und zum Preisgebet und Lobgebet und auch zum Gebet der Fürbitte. Wir freuen uns, dass die zwei Gestalten der Beter darauf mit ihren zum Gebet erhobenen Händen, daran erinnern, dass nicht der einzelne nur bete, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen, und dass der Herr ihnen verheißen hat: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
Wir freuen uns, dass wir eine eigene Vaterunserglocke haben, die läutet, wenn im Gottesdienst die Gemeinde das Vaterunser betet, so dass es die anderen auch wissen und sich mit der betenden Gemeinde einigen können, um ihr Gebet zu verstärken, und dass sie sich daheim mit ihrem Vaterunser zusammenbeten können mit der gläubigen Schar. Als Inschrift trägt diese Glocke die Hauptbitte des Vaterunsers: VERGIB UNS UNSERE SCHULD, WIE WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN! Und als Bild haben wir darauf, wie der verlorene Sohn mit dieser Bitte zum Vater kommt, und wie der Vater das herrlichste tut, was überhaupt getan werden kann:
Vergeben. Hier werden wir an die kostbarste Gabe erinnert, die man geben kann: Verzeihung, und an die kostbarste, die man empfangen kann: Vergebung der Sünden. Und wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit.
Wir freuen uns, dass wir als kleinste auf dem Turm eine Taufglocke haben. Die Taufe ist wichtig fürs Christenleben, wichtiger als wir denken. Den Täuflingen läutet sie. Vielleicht gehen wieder mehr Leute davon ab, ihre Kleinen im Krankenhaus taufen zu lassen und sie vielmehr hierher zu bringen, wo sich die Gemeinde versammelt, wo der Ort der Taufe am Taufstein festgelegt ist, und wo eine helle Glocke die Gewissheit der Taufe ausruft: Ich bin ein Kind Gottes! - Uns alle aber erinnert diese Glocke, wenn sie erschallt oder wenn sie ihre Stimme in‘s Geläute mischt, dass wir Sünde, Tod und Hölle durch den dreieinigen Gott entrissen sind. Und die Bitte, die die alte große Glocke als Inschrift trägt: Herr, mach uns frei! wird eben in der Taufe erfüllt. Diese Gewissheit, dass wir dem Herrn gehören und nicht der Welt, nicht der Sünde, nicht, dem Tode, drückt sich in der Aufschrift der Taufglocke aus: ICH HABE EIN GROßES VOLK IN DIESER STADT. Und das Bild, das die drei Männer im Feuerofen und den Engel, der sie bewahrt hat, zeigt, erinnert uns an die Geborgenheit, die uns Christus gewährt, denn durch Feuer und Wasserwogen führt uns Seine Liebe.
Von den vorhandenen Glocken deuten wir nur noch an, dass auf der zweiten, die wir jetzt die Gottesdienstglocke heißen wollen, weil sie im Geläute zu allen Gottesdiensten dabei ist, die Bitte steht: HERR, MACH UNS FREI!
Und dass die kleinste Glocke, die im Augenblick nicht geläutet werden kann, weil sie im Turm der Taufglocke hat Platz machen müssen und warten muss, bis der Dachreiter wieder so fest steht, dass sie an ihrem alten Platz wieder aufgehängt werden kann, dass diese kleinste, die Beerdigungsglocke, die Inschrift trägt: „ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN“, dass sie also nicht nur die Tränen der Wehmut meint, wenn sie uns beim Gang mit den Särgen zuruft, sondern dass sie den Trost verkündigen will, dass Jesus Christus der Sieger ist über den Tod.
Alles in allem zusammengenommen gibt uns unser Geläute Grund zu einer hohen Freude. Wir sehen und hören nicht bloß Glocken, sondern sie sind uns Zeichen für die Dinge Gottes selber.
Schließlich aber ist es heute kein bequemes Fest, sondern eines, das uns ruft und das uns fordert.
Jetzt hat nämlich ein großer Teil der Gemeinde eine Entschuldigung weniger, wenn sie das Wort Gottes nicht hören und Gott nicht die Ehre geben, die er vor allem möchte: dass wir sein Wort hören, ihm unser Vertrauen und dem Herrn unsere Liebe entgegenbringen. Jetzt rufen die Glocken laut über die Stadt und über die Menschen hin: 0 Land, Land, Land, höre des Herrn Wort! Jedenfalls wird es kaum jemanden geben, der nicht hie und da die Glocken rufen hört. Wie es kaum jemanden geben wird, der nicht hie und da die Kirchen und die Türme sieht, die wie aufgereckte Finger hinaufdeuten zu Gott. So sind die Glocken laute Rufer für eine andere Welt: 0 Land, Land, Land, höre des Herrn Wort! Und sie sind dringliche Rufer, vielfältig rufen sie, wie dieses Bibelwort dringlich ist und dreimal aufruft: 0 Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!
Die Stiftung dieser Glocken ist nicht bloß eine schöne Sache; sie ist auch Mahnung und Warnung. Die Glocken wollen uns nicht in Ruhe lassen: Gott ruft dich, Gott will etwas von dir; nicht bloß das, was du so nach unserm Brauch jeden Tag tust, ist deine Sache. Sondern das ist auch deine Sache, dass Gott große Taten getan hat. Und diese großen Taten lässt er uns durch sein Wort verkündigen; und in seinen Sakramenten bietet er sie uns an; und es ist ihm wichtig; es geht um unser Leben; es geht um unser Heil; es geht um die lange Zeit unserer Ewigkeit. Die Stifter dieser Glocken und die Gemeinde St. Leonhard, und der Turm und seine Glocken tun den Gleichgültigen unter den Gemeindegliedern keinen angenehmen Gefallen.
Die Gleichgültigen, sie können sich die Bettdecke über die Ohren ziehen, doch müssen sie das Rufen hören. Sie können sich laut sagen: Ich habe keine Zeit, doch rufen die Glocken auch in ihre Zeit hinein: deine Zeit gehört Gott. Und wer früh am Sonntag über die Landstraßen fegen muss, um der Stadt zu entrinnen, der soll den Glockenmund hören, hier in der Stadt oder von einer Dorfkirche draußen. So schnell kann keiner fahren, so in Zeitnot kann keiner sein, so kann er sich nicht um die Gottessache herumdrücken, dass er nichts merkt davon. Da und dort, dann und wann erreicht ihn der Ruf der Glocken; und das wollen sie von ihm: 0 Mensch, Mensch, Mensch, höre des Herrn Wort!
Sie sind die Rufer unseres Gottes, diese Glocken: Es geht nicht immer so weiter; es kann nicht immer so weiter gehen. Ehe dein leben zu Ende läuft; ehe du im Wohlleben erstickst; ehe du in den Sorgen ertrinkst, ruft dich dein Gott; ruft dich weg von den Trebern und weg von den schalen Tränken dieser Welt; ruft dich zu den Brunnen des Heils und mahnt dich zum Brot des Lebens; durch die lauten und eindringlichen Stimmen der Glocken; zu seinem Wort, zu den Sakramenten, zu seinen Sohn und deinem Heiland: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Ehe das große Unglück kommt, ehe die letzten Katastrophen hereinbrechen, ehe der große Tag unseres Herrn kommt, sollen sie sich alle rufen lassen; hier in der Stadt: O Stadt, Stadt, Stadt, höre des Herrn Wort! Und überall im ganzen Land: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort! Alle sollen es hören; es ist dringend, es ist notwendig, es ist das eine, das not tut: Das Wort Gottes hören, den Glauben stärken, zu Jesus kommen, mit Jesus gehen, für Jesus leben, in Jesus sterben, durch Jesus selig werden. Eden einzelnen mahnen, warnen, dringen sie: O Mensch, Mensch, Mensch, höre des Herrn Wort!
Gott sei Dank für dieses seltsame und seltene Fest! Gott sei Dank, dass er uns dieses ernste Fest begehen lässt, das uns an die Opfer der Kriege gedenken heißt! Gott sei Dank, dass wir Anlass haben zu danken, und dass wir dieses Fest der Freude begehen können! Gott sei Dank auch, dass er uns keine Ruhe lässt, dass er uns unserer Ruhe, aus unserer falschen Sicherheit, aus unserer Gleichgültigkeit herausreißen will, mahnend, warnend, dringend!
Gott sei Dank, dass Jesus Christus König und Herr ist; dass er en großes Volk in dieser Stadt hat; dass er die Auferstehung ist und das Leben; dass wir Grund haben zum Danken: Danket dem Herrn denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich; dass wir zuversichtlich ihn bitten dürfen: Herr, mach uns frei!; und dass wir die kostbarsten aller Gaben auf Erden von ihm erwarten dürfen: Vergib uns unsere Schul!; und dass wir Frieden stiften dürfen, indem wir tun, was wir beten: Wie wir vergeben unseren Schuldigern!
Gott sei Dank, dass die Zeit noch nicht vorüber ist, da es einladend und fordernd über uns alle hinruft: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.

Die Glockenweihe
Die Weihe wurde mit folgenden Schriftworten und mit folgendem Gebet vollzogen:
„Der Apostel des Herrn spricht: Alles wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. Darum lass uns die neuen Glocken unserer Leonhardskirche einweihen, indem wir im Vertrauen auf Gottes Verheißung sein Wort hören und seinen Namen im Gebet anrufen!“ (Von Pfr. Fischer gesprochen)
„So schreibt der Apostel Paulus im 1. Brief an die Korinther im 13. Kapitel: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle, Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also dass ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen leib brennen und hätte der Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze. Die liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht,  die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie feut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freit sich aber der Wahrheit. Sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört nicht mehr auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird.“ (Dies wurde von dem Vertreter für den erkrankten Stadtvikar Kreimann von dem Australienpfarrer Hierse gelesen.)
„So steht geschrieben im Evangelium des Lukas im 10. Kapitel: Es begab sich, da sie wandelten, ging Jeus in einen Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht darnach, dass mich meine Schwester lässt alleine dienen? Sage ihr doch, dass sie es auch angreift! Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Soge und Mühe. Eines aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt, da soll nicht von ihr genommen werden.“ (Dies wurde von Stadtvikar Schmiedberg gelesen.)
Das Vaterunser wurde von Pfarrer Glen gebetet, ohne dass dazu geläutet worden wäre.
Das Glockengebet wurde von Pfarrer Fischer gebetet:
Allmächtiger Gott, Du Schöpfer aller guten und vollkommenen Gabe, der du den Menschen die Kunst verliehen hast, aus dem Erz der Erde Glocken zu gießen: Wir bitten dich um deine Gnade, dass die Glocken, die wir heute zu deinem Dienste weihen, allezeit deine Ehre verkündigen und deine in Jesu Christo erlöste Gemeinde zum Gottesdienst versammeln. Gib, dass die Glocken nicht vergeblich zum Gottesdienst rufen und nicht vergeblich zum Gebete mahnen. Bewahre uns vor dem Unglück eines Krieges, und dass sie zu solchem Zwecke nicht heruntergenommen werden müssen. Deiner Barmherzigkeit befehlen wir die teueren Toten, deren Andenken die größte des Geläutes gewidmet ist. Wenn diese Glocken dereinst über unserm Sarg und Grab erklingen, dann lass sie uns den ewigen Feiertag einläuten. Herr, erhöre unser Gebet. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn.
Gemeinde: Amen
Die Glocken wurden in der Reihenfolge geweiht, dass mit der kleinen begonnen und mit der großen geendet wurde. Auch die schon vorhandene Gottesdienstglocke wurde an ihrer Stelle geläutet, ohne geweiht zu wer den. Die kleinste, schon vorhandene Beerdigungsglocke muss feiern, sie wieder ihren Platz im Dachreiter einnehmen kann.
Bei der Weihe wurde die Glocke, immer wieder von einem andern der assistierenden Pfarrer, aufgerufen mit ihrem Namen; Stifter und Gießer wurden genannt; die Inschrift wurde verkündet und das Bild kurz beschriebe und nach kurzem Läuten, von Pfr. Fischer die Weiheformel gesprochen und das Kreuzeszeichen zur Glocke hin gezeichnet:
„So sei denn diese Glocke dem Dienste Gottes und seiner Kirche geweiht!
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
Beim Zusammenläuten sang die Gemeinde Lied 5, V. 3, und mit diesem
Lobpreis ende auch dieses Glockenbüchlein!

Veränderungen, die sich nach dem Druck ergaben:
Bei den Bildern, die auf Seite 7-9 beschrieben sind (bezieht sich auf das Büchlein), ist der Kreis der Ewigkeit
nur um das Bild der Vaterunserglocke, aber nicht um die Bilder der Christusglocke und der Betglocke. Auch das Kreuz vor den zwei Betern der Betglocke ist endgültig weggefallen.
Bei der Feier der Glockeneinholung die Änderung, dass die Glocken erst um 19.30 Uhr eintrafen, woran sich sogleich die Feier anschloss; abgeladen wurden sie erst am nächsten Morgen. Hinaufgezogen wurden sie am Mittwoch den 21. 8. und am Freitag den 23, hingen sie abends an ihren Plätzen. Es ging alles, Gott sei Dank, ohne Unfall.
Unser Leonharder Glockenbüchlein muss auf Seite 3 verbessert werden. Pfarrer Fischer hat sich über das Herunterfallen der einen Glocke bei jemandem erkundigt, von dem er annahm, dass er es wisse. Aufgeschrieben war darüber nichts vorhanden. Nachdem nun das Glockenbüchlein ausgegeben ist, wurde es von manchen Seiten berichtigt. Von jemandem wurde sogar die damals von Pfarrer Weigel gehaltene Predigt zur Verfügung gestellt.
Daraus ergibt sich, dass es auf Seite 3 im 3. Absatz so heißen muss: Die größte der Glocken fiel vom Turm, aber sie zersprang nicht. Die abgestürzte Glocke wurde wunderbarer Weise kaum beschädigt. „Mit Ausnahme von ganz unwesentlichen Absplitterungen am Rand war sie ganz unversehrt geblieben“. Sie wurde wieder hinaufgezogen, und ihr Klang hatte nichts eingebüßt
Die Glocke, die in einer Remise lag und erst im letzten Krieg noch mitgenommen wurde, war dann wohl die kleine alte c-Glocke aus dem Jahre 1888, die 1932 ersetzt worden war.
In der Predigt von Pfarrer Weigel zur damaligen Glockeneinweihung heißt es, dass nach dem ersten Weltkrieg, nachdem man immer nur die eine, kleine Glocke hatte, „ein liebes Mitglied unseres Kirchenvorstandes, Herr Leonard Heubeck, die Sache in die Hand genommen und angefangen hat, die Parole auszugeben: Glocken müssen wieder her!“ So wurde die große Glocke von Gaben der Gemeinde angeschafft, und die Pietas, die mittlere, wurde von der Familie Nagel gestiftet.
Die Glockenweihe war an Pfingsten 1924 durch Pfarrer Weigel.

An dieser Stelle gehört nur noch die Frage aufgeworfen, ob sich vielleicht jemand findet, der die größere Beerdigungsglocke für den Dachreiter stiftet. Dann wäre das Beerdigungsgeläut wieder wie es früher war. Und beim Zusammenläuten aller Glocken käme noch eine hohe Glocke dazu, die das Geläute schön aufhellen würde. Wer macht sich eine Freude daraus, diese Glocke zu stiften?